Dienstag, 30. August 2016

Stress-Coaching im Airbus-Simulator – für Führungskräfte bis in höchste Ebenen

Es ist recht leicht, ein Flugzeug zu führen, wenn alle Bedingungen ideal sind. Das lernen Sie bei uns im Cockpit in wenigen Minuten.
Sie denken schnell, dass Sie Kapitän auf einem echten Flug sind. Sie fühlen sich entspannt und beherrschen die Situation.
Der Instruktor spielt eine kleine Veränderung ein – kein Problem für Sie. Dann mehr und immer mehr. Sie empfinden Stress. Sie denken nicht mehr daran, dass Sie „nur“ im Simulator sind. Der Stresspegel steigt. Sie greifen an den falschen Schalter.
Sie brauchen eine Pause. Gut. Die nutzen wir zur Reflexion.
Wir besprechen, wie solche Situationen gemeistert werden.


Nach und nach tut sich Ihnen das Geheimnis des CRM (Crew-Resource-Management) auf. Das ist der Schlüssel zur erfolgreichen Fliegerei, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelte.
Immer wieder gehen wir in den Simulator und trainieren neue, immer komplexere Situationen. Dazwischen kommen wir auf vergleichbare Ereignisse im stressvollen Arbeitsalltag einer Führungskraft zu sprechen und zeigen Ihnen Lösungsmöglichkeiten.
Sie haben wirklich trainiert und nicht nur Theorien kennen gelernt. Sie werden sich gut daran erinnern. Auch im Stress! Deswegen profitieren Sie so nachhaltig von diesem Coaching.

Freitag, 26. August 2016

Wer bin ich? – Die Sache mit dem Selbstbild

Was hat dieses Thema mit „Führen – Kommunizieren – entscheiden“ zu tun?
Viel! Und da liegt auch schon die Herausforderung (oder soll ich lieber sagen: das Problem?).





Ich komme auf eine brisante aber bekannte UND erwünschte Tatsache in der Luftfahrt zu sprechen. Wenn Sie das an Ihrem Arbeitsplatz erleben würden, würden Sie mindestens Amnesty International alarmieren – vom Compliance GAU im Unternehmen ganz zu schweigen.
Diese Tatsache ist die lückenlose Aufzeichnung von allem, was Sie tun und sagen.
Genau diese Kontrolle hat aber den Erfolg des Crew-Resource-Management (CRM) in der Verkehrsluftfahrt ermöglicht.

Mit andern Worten:
 sie hat die sicheren und trotzdem erschwinglichen Flugreisen, wie wir sie heute kennen, erst ermöglicht.
Bei uns wird Kontrolle sofort mit der Einschränkung der persönlichen Freiheit gleichgesetzt.
Dass Kontrolle aber auch das Gegenteil bewirken kann, dass sie die Freiheit erhalten und darüber hinaus Erfolg und Freude an der Arbeit steigern kann, das beweist das Cockpit eines Verkehrsflugzeuges.

Kontrolle für sich alleine ist nicht viel wert. Sie gehört in einen Kontext von Erkenntnisgewinn, bestrafungsfreier Fehlerkultur, Kommunikationsregeln und positiven Hierarchien.
Mit ihr sollten Regeln geschaffen und stets weiterentwickelt werden, die Stress vermeiden, Fehler managen und helfen, Entscheidungen unter hohem Druck zu treffen.

So kommt es, dass Flugzeugbesatzungen ein System positiv aufnehmen, das sie zu 100 % kontrolliert.

Der Voice- und Flight-Data-Recorder zeichnet für einen Zeitraum von mindestens 30 Minuten lückenlos auf, was im Cockpit gesprochen wurde, welche Handgriffe im Flugzeug gemacht wurden und von wem.
Nur so war es überhaupt möglich, aus Flugzeugunglücken wirklich zu lernen und das CRM zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte werden zu lassen.
Weder die Beobachtung von Zeugen, noch die Berichte von Betroffenen sind dazu in der Lage, Ursachen einer Fehlerkette objektiv aufzuklären und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Es gehört zu den Schwächen des Menschen, egal in welcher Position und mit welcher Erfahrung, dass er völlig einseitig wahrnimmt und wiedergibt.

Genau daraus resultieren erhebliche Defizite in der Menschenführung.
Wer hilft einer Führungskraft bei der Einschätzung ihres eigenen Handelns?
 Wer trainiert die erkannten Defizite weg und macht daraus positive Verhaltensmuster?
Normalerweise niemand!
Eine Führungskraft wird mit zunehmendem Aufstieg einsamer. Von unten kommt keine Kritik aus Angst vor Nachteilen.
 Von oben wird mit Floskeln keine wohlwollende Hilfe gegeben.

Ganz krass erlebe und höre ich das immer wieder bei Budgetverhandlungen innerhalb eines Unternehmens.

Die Rituale sind oft vernichtend und verhindern eine richtige und klare Einschätzung der Situation.
 Es endet nicht selten mit dem Satz „da ist noch Luft nach oben“, ohne auch nur den Ansatz einer Begründung.
Es ist Business-Theater vom Feinsten und zeigt nicht selten humoreske Züge!

Man hat im (Simulator)Cockpit folgendes Experiment gemacht:


Eine erfahrene Crew wurde verschiedenen Situationen mit erheblichem Stresspotential ausgesetzt.
Es ging dabei nur um die Kommunikation untereinander und die dabei vereinbarten Regeln nach den Maßgaben des CRM.
 Das Ganze wurde in Bild und Ton aufgezeichnet.
Hinterher wurde der Kapitän befragt, wie er die Kommunikation erlebt und empfunden hat.
„Alles bestens, hat gut geklappt, wir waren ein gutes Team“, war seine Antwort.
Auch der erste Offizier war zufrieden.
Als man ihnen dann die Aufzeichnungen vorspielte, waren sie entsetzt – entsetzt über ihre eigene Einschätzung!
Es lief alles andere als gut. Die Kommunikation war unklar, oft einsilbig, man arbeitete nebeneinander her und nicht miteinander und es war eine gute Portion Glück, dass das Flugzeug nicht verunfallte.
Diese Art Erfahrungen waren der Anlass, dass Cockpitcrews von Verkehrsflugzeugen heute bis zu fünfmal jährlich in Simulatorchecks müssen, obwohl das Gesetz nur zweimal vorschreibt.

Um das noch einmal klar zu stellen: Es handelt sich hier um handverlesene, erstklassig ausgebildete Fach- und Führungskräfte.
 Sie alle kennen die theoretischen Inhalte des Crew-Resource-Managements gut und befürworten sie auch. Sie sind alle guten Willens und bereit, ihr Bestes zu geben.

Wir machen die gleichen Erfahrungen im Stress-Coaching. Viele Führungskräfte sagen mir danach, dass sie über ihr eigenes Verhalten erschrocken waren und ihnen jetzt klarer ist, warum das eine oder andere im Unternehmen unter ihrer Führung nicht so gut läuft.

Es bedarf dazu eines Regelwerkes, das sich im CRM hervorragend wiederspiegelt.
 Nur wenige Eigenschaften sind angeboren, die Sie zur Führung von Menschen befähigen.
Führen ist zum großen Teil eine Fertigkeit, die Sie sehr gut trainieren können.

Auch Sie und Ihre Arbeit können davon profitieren, der Anfang ist (Selbst)Erkenntnis und der Wille dazu, und das gilt bis ganz nach oben!

Samstag, 13. August 2016

Und so starben 600 Menschen in wenigen Sekunden

Genau dieses Verhaltensmuster führte 1977 zur größten Flugzeugkatastrophe der zivilen Luftfahrt. Auf Teneriffa starben 600 Menschen beim Zusammenstoß zweier Jumbo-Jets Boeing 747. 

Hören Sie in weniger als 2 Minuten, wie dieses Muster einer solchen fatalen Ereigniskette abläuft


Der Verursacher, Kapitän van Zanten des KLM Jumbos, war der Flottenchef der KLM, Ausbildungskapitän, extrem erfahren und er ziert heute wieder die Werbeplakate der Airline. Er war ein Muster eines Flugkapitäns, ein Held der Lüfte, makellose Karriere, tadelloses Image, unantastbar. 



Seiner Cockpitcrew gelang es nicht, ihn daran zu hindern die Schubhebel auf Startleistung zu schieben obwohl keine Startfreigabe vorlag. 
Er fühlte sich im Recht, weil er immer im Recht war. Punkt! 
Er wurde nie kritisiert, weil die Kritikübenden die Airline verlassen oder erhebliche Karriereeinbußen hinnehmen mussten. 
Und so rammte er bei Abhebegeschwindigkeit in dichtem Nebel einen vollbesetzten Pan Am Jumbo, der die Freigabe zum Kreuzen der Startbahn hatte. 
Er war ein Held. Diesen Mythos genossen viele Kapitäne. Viele von ihnen leben heute nicht mehr, weil sie sich und ihre ihnen anvertrauten Fluggäste in den Tod geflogen haben. Die ihnen unterstellten Cockpit- und Kabinenbesatzungen wussten oft, dass sie in ein fatales Ereignis steuern und waren psychisch nicht fähig es zu verhindern.
1977, das fatale Ereignis auf Teneriffa, war der entscheidende Auslöser zur Entwicklung des Crew-Resource-Management in der Verkehrsluftfahrt. 
Seitdem sind die Unfälle, von denen über 80% auf Human Factors zurückzuführen waren, um 90% zurückgegangen. 
Es war der Beginn zur Entwicklung des fehlerärmsten Arbeitsplatzes der Welt, ein Flugzeug mit heute bis zu über 500 Passagieren in der Verkehrsluftfahrt. 
Es ist das einzige Führungsmodell, das in einer Branche weltweit anerkannt und eingesetzt wird. 
Es ist ein bisher beispiellos erfolgreiches Führungsmodell. 
So erfolgreich, dass die US-Regierung die Umsetzung der Inhalte des CRM in allen Kliniken der USA gesetzlich angeordnet hat.
In Unternehmen gibt und gab es ähnliche Vorgänge. Viele Namen, die man sich als junger Mensch niemals wegdenken konnte, die als unangreifbar galten: 
Quelle, Neckermann, Grundig, Telefunken, Dual, AEG... 
Von einigen ist noch die Markenhülle geblieben, die Menschen, die dort arbeiteten, sind schon lange nicht mehr da. 
Es folgen weitere große Namen die kaum noch überleben können. 
Heute las ich bin der unabwendbaren Insolvenz von Langenscheidt. 

Warum gibt es in der Wirtschaft kein Crew-Resource-Management? 


Weil es keine unmittelbaren Toten gibt.
Weil die Vernichtung von zig tausenden Arbeitsplätzen mit einem Achselzucken hingenommen wird. Weil so getan wird, als wenn äußere Umstände den Untergang unausweichlich machten. 
Das war in der Verkehrsluftfahrt bis Anfang der 80-Jahre auch so. Und es wäre immer noch so, wenn da nicht die medienwirksamen, existenzbedrohenden Folgen durch den Verlust der vielen Menschenleben gewesen wäre...

Dienstag, 2. August 2016

Buchtipp vor allem, aber nicht nur für Ärzte – beyond the checklist

Ein sehr lesenswertes, aktuelles Buch (2013) für alle, die sich mit den Verhaltensmustern von Führungskräften tiefer beschäftigen.
Mit Suzanne Gordon, Patrick Mendenhall und Bonnie Blair O´Connor analysieren eine mehrfach ausgezeichnete Fachjournalistin, ein Airline Pilot mit besonderer CRM Expertise und eine wissenschaftlich arbeitende Medizinerin die Situation im heutigen Klinikbetrieb und der Konzernwelt.

Sie beschreiben sehr anschaulich die Chancen, die im Crew-Resource-Management für gerade Klinikbetriebe und Praxen aber auch für Unternehmen stecken.
In den USA wird die Einführung des Führungsmodells Crew-Resource-Management (CRM) in den Krankenhäuser mittlerweile staatlich gefördert.
Das Buch ist nur in englischer Sprache erhältlich.


Sie erhalten es als Kindle Edition oder Taschenbuch z.B. bei Amazon.